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18.11.2017 : 18:33

Nordwestmecklenburg hat seinen ersten Begräbniswald

Wie die Lübecker Nachrichten mitteilen, sei eine etwa 60 Hektar große Waldfläche in der Nähe von Wiligrad in der Gemarkung Lübstorf als Ruheforst freigegeben worden. Damit ist das Waldgebiet östlich des Schweriner Sees die dritte Fläche in Mecklenburg-Vorpommern, die auf diese Weise genutzt wird.


Dass der Bedarf für Urnenbestattungen im Wald gegeben ist, zeigt der bundesweite Trend. In den vergangenen Jahren wurden vor allem in den alten Bundesländern mehrere Waldgebiete durch die Behörden dafür freigegeben. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei weitere Areale, eines in der Rostocker Heide sowie eines auf der Insel Usedom.

Der Wald von Wiligrad gehört Julius von Bethmann Hollweg aus Altenhof in Schleswig-Holstein. Träger des Begräbniswaldes ist die Gemeinde Lübstorf. Die Eröffnung wird sich allerdings noch eine Weile hinziehen. "Wir gehen davon aus, dass Anfang August die Eröffnungs stattfinden wird", erklärte gestern Julius von Bethmann Hollweg. Zwar seien alle erforderlichen die Genehmigungen erteilt, noch seien aber einige rechtlichen Dinge zu klären.

Von August an können Naturliebhaber sich ein Waldstück oder sogar einen Baum aussuchen, unter dem später einmal ihre Urne oder die von Angehörigen bestattet werden sollen. Die Betreiber bieten Führungen an, auf denen die Besucher Informationen über den Wald und die Art und Weise der Bestattungen erhalten. Genaue Informationen dazu gibt es unter Telefon 043 51/46 84 01.

Wiligrad verfügt damit über den ersten Begräbniswald im Nordwestkreis. Und das in einer der schönsten Gegenden der Region. "Der Wald grenzt direkt an den Schweriner See, es ist eine Idylle, die auch künftig für Besucher öffentlich bleibt", so von Bethmann Hollweg.

Das Modell Wiligrad ist zwar zurzeit einzigartig in der Region. Aber das wird es wohl nicht bleiben. "Wir beschäftigen uns bereits länger mit dieser Geschichte", erklärt Schönbergs Forstamtsleiter Peter Rabe. Denn zum einen sei solch ein Begräbniswald eine Möglichkeit der Forstnutzung. Zum anderen sei es schlichtweg eine Frage von Angebot und Nachfrage. Wenn der Trend anhält, haben die Forstleute mit einem Ruhewald eine lukrative neue Einnahmequelle erschlossen, denn selbstverständlich kostet der Platz unterm Lieblingsbaum Geld. Wie auch auf regulären Friedhöfen ist die letzte Ruhestätte im Wald keineswegs umsonst. Bis zu 90 Jahre können Familien ihr Stück Waldboden pachten. Grabsteine sind allerdings verboten. Dafür besteht die Möglichkeit, die Bäume mit kleinen Plaketten zu versehen.

Vollkommen raus aus dieser Geschichte hält sich die Kirche im Land, die etwa 660 Friedhöfe betreibt. Wie ein Sprecher der Landeskirche erklärte, gebe es keine Anstrengungen, einen solchen Ruheforst von Seiten der Kirche einzurichten. Dafür liebäugeln immer mehr Gebietskörperschaften mit dieser Einnahmequelle.
 

07.06.2007 10:14 Alter: 10 Jahre