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 Betreff des Beitrags: Mein Vater ist tot...
BeitragVerfasst: 26.08.2007, 12:00 
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Registriert: 25.08.2007, 13:54
Beiträge: 2
Wohnort: Berlin
Hallo,
vor einigen Wochen ist mein Vater plötzlich und unerwartet von uns gegangen. Wir wußten nicht, wie schlimm es um ihn stand, denn es war sein Wunsch gewesen, dass die Ärzte uns nicht darüber informieren, dass er einen total agressiven und sehr schnell wachsenden Krebs hatte, der in rasantem Tempo bereits die lebenswichtigsten Organe befallen hatte. Uns wurde immer nur gesagt, er muss operiert werden, und es wird schon wieder werden.
Auch wenn ich seine Entscheidung, uns (meine Mutter, meinen Bruder und mich)im Unklaren über seinen Zustand zu lassen, gern im Nachhinein versuchen will zu akzeptieren. So merke ich doch, wie schwer mir das fällt.
Mein Vater war bis zwei Tage vor seinem Tod noch voll bei Bewußtsein und Verstand. Wieviel von dem, was nun für immer ungesagt und ungefragt bleiben muss, hätte uns allen noch von der Seele gesprochen werden können! Wir hätten uns richtig von ihm verabschieden können,..
Als ich ihn das letztemal bei Bewußtsein gesehen habe, sagte er zu mir: "Danke für alles". In meiner Unwissenheit dachte ich, er will sich bei mir dafür bedanken, dass ich meine alte und schwer herzkranke Mutter mit dem Auto abholte und zu ihm ans Krankenbett begleitete. Ich wußte doch nicht, dass er sicher seinen nahen Tod spürte und sich mit diesen Worten von mir verabschieden wollte! Ich mache mir seitdem Vorwürfe. Wenn ich doch nur sensibler gewesen wäre! Vielleicht hätte er sich zu diesem Zeitpunkt doch noch geöffnet und sich selbst seine Seele erleichtert. Wie schwer muss es für ihn gewesen sein, die ganzen Ängste und alles völlig allein mit sich abzumachen und durchzustehen...
Ich vermisse ihn so sehr! Wie gern würde ich ihm nochmal sagen, wie wichtig er in meinem Leben für mich war und wieviel er mir bedeutet hat...!


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.08.2007, 16:49 
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Registriert: 13.08.2007, 07:43
Beiträge: 19
Wohnort: Berlin
Hallo angel1203,

Du kannst es ihm sagen, auch jetzt noch. Du wirst, wenn Du sensibel und geduldig genug bist, vielleicht sogar eine Anrtwort von ihm bekommen. Wie das geschieht, ob im Traum oder durch Worte eines anderen Menschen, weiß ich nicht. Sag es ihm laut oder leise, denke es oder schreib es auf. Er wird es verstehen und erfahren. Und Dich wird es erleichtern.
Es war SEINE Entscheidung, Euch nicht belasten zu wollen. Er wollte es so und für ihn war es gut so.
Auch mein Mann wollte mit mir nicht über seinen nahen Tod reden, obwohl wir beide wussten, dass er nicht mehr viel Zeit hat...Es hat auch mich anfangs sehr belastet. Aber ich habe mich auch nicht wirklich getraut, ihn darauf anzusprechen, weil ich nicht wusste, ob er es möchte. Auch ich habe mir diese Gedanken gemacht, wie schwer es ihm gefallen sein muss, das alles mit sich allein abzumachen...Inzwischen habe ich aber akzeptieren gelernt, dass er mich dadurch schützen wollte.

Wenn Du es möchtest, kannst Du Dir auch sagen, dass Dein Vater immer da sein wird. Er wird über Euch wachen und Euch in Sorgen trösten. Mir hat das geholfen und mich getröstet.

Ich wünsche Dir, dass Du Ruhe und Kraft für Dich finden kannst und bin in Gedanken bei Dir.

Liebe Grüße
Sabine

_________________
Manchmal fühle ich mich wie ein Baum, von dem alle Blätter gefallen sind. Doch ich weiß um meine Kraft, neue Blätter zu treiben.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 28.08.2007, 13:25 
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Registriert: 20.12.2006, 10:54
Beiträge: 32
Hallo Angel,

wenn Du dich nicht richtig verabschieden konntest, das ist richtig hart. Du hättest ihm wahrscheinlich noch soviel zu sagen gehabt, das kann ich mir denken. Aber: er wollte es nicht. Wahrscheinlich wollte er Euch nur nicht weh tun, ihm hat wohl die Vorstellung, dass Ihr bei der schrecklichen Nachricht so leiden würdet, Angst gemacht.

Ich finde es fantastisch,dass er sich bei Dir noch bedankt hat. Wer kann sowas schon von seinem Vater sagen? Ich wünschte, ichkönnte es.

Mach' Dir bloß keine Vorwürfe, dass Du sensibler hättest sein können - du wusstest es ja nicht. Und er wollte es nicht.

Ich denke, es war seine Entscheidung und für ihn war es gut so. Und du hast die Dankesworte, die er Dir gesagt hat.


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 Betreff des Beitrags: hallo Angel
BeitragVerfasst: 28.08.2007, 20:20 
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Registriert: 10.07.2007, 12:47
Beiträge: 6
Wohnort: ruhrpott
ich wünsche dir für die nächste zeit ganz viel kraft
aber irgend wie hast du dich doch von ihm verabschiedet
und wie auch schon Junimond schreibt kannst du ihm noch alles sagen
ich rede sehr oft mit meine Tochter und mein Papa
und machmal spüre ich es das einer bei mir ist
ich habe für meine Tochter eine Gedenk ecke da brennt auch immer eine
Kerze
liebe grüße von Ingrid mit susi im herzen


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 Betreff des Beitrags: Danke...
BeitragVerfasst: 28.08.2007, 21:25 
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Registriert: 25.08.2007, 13:54
Beiträge: 2
Wohnort: Berlin
Da mir im Moment noch die Worte fehlen, möchte ich Euch, die mir bisher auf meine Zeilen hin geschrieben habt, ein kurzes, aber ganz liebes DANKE sagen.
Eure Zeilen haben mir unendich gut getan. So mancher Gedankenanstoß ist dabei. Und ich spüre, ich habe einen ganz kleinen Schritt nach vorn getan: ich kann endlich weinen, kann meine Tränen raus lassen. Ich weiß, der Weg der Tauer ist sehr lang. Aber dieser kleine Schritt. dieser Krampf der sich in mir löste, hat mich weiter gebracht.
Ein lieber Gruß an Euch alle und ich wünsche Euch auch viel Kraft.
Angel

_________________
Die Erinnerung ist ein Fenster
durch das ich Dich sehen kann, wann immer ich will.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 31.08.2007, 19:52 
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Registriert: 24.07.2007, 21:23
Beiträge: 22
Wohnort: Herzogenaurach/Stirling
Lieber Angel,

als erstes herzliches Beileid, das mit deinem Vater tut mir sehr Leid. Es scheint sehr schnell gegangen zu sein, wie bei meinem Vater.

Viel kann ich nicht dazu sagen, weil ich weiß, dass es nicht viel helfen wird. Nichts kann das ganze für dich leichter machen. Aber mach dir bitte, bitte keine Vorwürfe. Dein Vater wusste, was er tat, als er diese Entscheidung traf. Ich kann verstehen, dass du deswegen wütend und traurig bist -das wäre ich auch- und dass es dir schwer fällt, seine Wahl zu akzeptieren. Aber das "danke für alles" deines Vaters zeigt doch alles. Du hast ihm wahnsinnig viel bedeutet und alles getan, was dir möglich war. Er war dir dankbar dafür, wie alles am Ende und auch die Jahre zuvor verlief. Viele Dinge muss man nicht aussprechen, und man kann es in der Situation oft auch gar nicht.

Wahrscheinlich war es leichter für ihn, mit den Menschen, die ihm nahe standen, nicht über den Tod sprechen zu müssen, sich nicht ihren Schmerz mitanzusehen. Ein Arzt sagte uns, dass mein Vater zu ihm sagte, dass er am meisten Angst davor habe, seiner Frau die Wahrheit zu sagen. Im nachhinein ist mir jetzt klar, dass er trotz Gehirntumor und allem genau wusste, dass er sterben würde, aber die ganze Zeit so tat, als würde alles wieder in Ordnung kommen, über Urlaube und Auto kaufen sprach. Vielleicht machte er das für uns, aber ich denke, er brauchte es auch irgendwie für sich selbst, um weiter machen zu können.

Letztendlich bereut man immer irgend etwas. Bei uns widersprachen sich die Ärzte zwar ständig und machten keine klare Aussage, aber es war doch ziemlich offensichtlich, dass die Therapie nicht anschlag, und auf rationaler Ebene war mir auch klar, dass es mit der Diagnose bei meinem Vater keine Hoffnung mehr gab. Dennoch habe ich mich nie richtig verabschiedet. Ich konnte das einfach nicht, selbst am Ende nicht, über solche Dinge zu reden. Man stellt sich immer vor, wie man alles in so einer Lage machen würde, aber am Ende kommt es doch ganz anders. Natürlich fallen einem hinterher Dinge ein, die man hätte sagen wollen oder sollen, aber in der Situation selbst ist man oft dazu gar nicht fähig. Und irgendwie will man es ja doch nicht glauben; es ist immer noch die Hoffnung da, dass in diesem einen Fall ein Wunder geschieht.

Vielleicht wäre es ja für dich anders gewesen, vielleicht hättest du dich richtig verabschiedet. Vielleicht aber auch nicht. Und vielleicht wäre eure letzte gemeinsame Zeit nur noch traurig und hoffnungslos gewesen, nicht so, wie dein Vater das offensichtlich wollte.

Jedenfalls glaube ich, dass dein Vater wusste, wie viel er dir bedeutet hat. Dieses "danke" sagt so viel.

Natürlich wünschst du dir trotzdem, du hättest dich verabschieden können, das Gefühl wird nichts verbessern, was hier irgendeiner sagt. Aber ich hoffe, dass dir doch in Erinnerung bleiben wird, dass euer Abschied mit diesem "danke" doch friedlich war. Ich glaube, das ist wirklich selten.


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