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Opas Beerdigung
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Autor:  britishgirl [ 07.05.2012, 12:11 ]
Betreff des Beitrags:  Opas Beerdigung

Hallo zusammen,

bin neu hier und habe da was auf dem Herzen und würde einfach gerne mal eure Meinung dazu lesen….Das wird jetzt ein bisschen sehr lang aber ich würde mich freuen wenn es trotzdem gelesen wird^^

Also vor 4 Tagen ist mein Opa mütterlicherseits gestorben. Er war Ende 80 und die letzten Wochen im Krankenhaus, nachdem er gestürzt ist und es seitdem Bergab ging.
Naja jedenfalls ist es nun so, dass ich kein gutes Verhältnis zu ihm hatte. Er war einfach ein Mensch, der sehr laut, stur, egoistisch und verletzend war (wurde im Alter immer schlimmer und auch alles ganz selbstverständlich auf sein Alter geschoben). Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich eigentlich gar keine Beziehung zu ihm. Er war der Vater meiner Mutter und das war es auch. Verständlicherweise bin ich nicht sonderlich traurig über den Tod. Es tut mir für meine Mutter und Oma leid aber mehr auch nicht. Obwohl ich dazu erwähnen sollte, dass meine Mutter zu Lebzeiten meines Opas immer betont hat, kein besonders herzliches Verhältnis zu ihm zu haben, da er einfach nicht der Typ dazu ist….und jetzt wird ein RIESEN Drama gemacht und so getan, als wäre hier jemand aus der Blüte seines Lebens gerissen worden. Und das schlimmste ist, dass er plötzlich wie ein heiliger in den Himmel gehoben wird und über ihn geredet wird, als wäre er der liebste und beste Mensch gewesen. Diese Heuchelei ist unerträglich. Nur weil jemand tot ist, wird er doch nicht automatisch zum besseren Menschen und die Verletzungen die von ihm ausgegangen sind, werden doch nicht auf einmal nichtig.
Jetzt ist es so, dass ich von den beiden (also meiner Mutter und Oma) als gefühlskalt und unsensibel hingestellt werde, weil ich nicht „angemessen“ trauere. Ich kann und will auch nicht so tun, als wäre ich traurig, weil es einfach nicht der Fall ist. Ich leben mein Leben halt normal weiter, gehe arbeiten, treffe mich mit Freunden usw. und habe gestern sogar gewagt, etwas von meiner Arbeit zu erzählen, woraufhin ich von meiner Mutter angeschnauzt wurde, wie ich so was erzählen kann wo doch gerade Opa gestorben ist. Also ich finde jetzt nicht, dass es taktlos ist auch mal ein anderes Thema als den Tod anzusprechen…aber gut…Nun geht es um das konkrete Problem, dass ich mich heute Morgen mit meiner Mutter in Ruhe zusammengesetzt und ihr gesagt habe, dass ich nicht zur Beerdigung gehen werde. Sie ist komplett ausgerastet und hat drauf rumgeritten was die Leute wohl dann sagen werden und wie das aussieht…Es ist mir aber egal wie das aussieht und wenn den Leuten was nicht passt, können sie mich gerne selbst ansprechen…Zudem ich nicht einfach einen Tag freinehmen kann, da Großeltern nun mal nicht als nächste Verwandte gelten und ich wie gesagt auch nicht vor Trauer zusammenbreche…Ich brauche diese Beerdigung definitiv nicht als Abschied…Es gibt nichts von dem ich mich verabschieden müsste, da er kein aktiver und erwünschter Teil meines Lebens war. Meine Mutter braucht mich auch nicht als Beistand…sie hat meinen Vater…es geht einfach nur darum, dass sich so was ja gehört und was die Leute und Nachbarn denken könnten…und das ist für mich nun wirklich kein Grund um auf eine Beerdigung zu gehen…Ich gehe aus genau 2 Gründen…ich will Abschied von einem geliebten Menschen nehmen oder jemand braucht meinen Beistand…und beides ist hier nicht der Fall…also Leute, ich brauche einfach mal die neutrale Meinung von Außenstehenden…bin ich wirklich so unsensibel und sollte das ganze noch mal überdenken, oder hat jemand vielleicht sogar ähnliche Erfahrungen und kann mich verstehen?

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