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 Betreff des Beitrags: ...buster... oder: warum?
BeitragVerfasst: 07.05.2007, 13:38 
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Registriert: 07.05.2007, 12:52
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nun...

habe ich gerade einen grossteil der postings gelesen... und... vieles... alles? alles? kommt mir so bekannt vor...

mein geliebter mann... nicht verheiratet... "freund"...

...als ich ihn kennen lernte, wusste ich vom ersten moment an, dass er fuer mich etwas ganz besonderes ist... ein teil meiner seele, ein teil von mir...


nun...
ist er tot. einfach fort. fuer immer gegangen... hat mich zurueck gelassen... die welt dreht sich weiter und ich weiss einfach nicht... wieso? ich weiss nicht, wie ich diesen schmerz aushalten soll? meine seele... zersplittert. herz zerrissen. jeder tag nur ueberwindung. wofuer aufstehen? wofuer noch leben?

ich dachte, wir werden gemeinsam alt... er... hatte das offenbar anders geplant.
er war mein leben.
beendet. aufgehaengt.
die letzten worte: im streit. "...dann kann ich mich ja nun aufhaengen gehen". zu oft gehoert.
ich habe nicht reagiert... nicht... mehr...
warum?
warum habe ich nicht die polizei gerufen? den notarzt? warum bin ich nicht zu ihm gefahren?
warum hat er denn nicht gewusst, wie sehr ich ihn liebe?

seine letzten worte... 10 minuten, vielleicht 15... spaeter... war er tot.


er wollte sterben. schon lange... darueber nachgedacht, geplant... ich habe es nicht ernst genommen...


zur beerdigung... durfte ich nicht. ort und zeit "insbesondere vor der freundin" geheim gehalten.

erinnerungsstuecke... gibt es keine... seine wohnung durfte ich nicht mehr betreten.
den toten... habe ich nie gesehen...
abschied nehmen... verwehrt...

der schmerz... ist grenzenlos...
brennt wie feuer... in meinem inneren. rumort und faellt mich an... keine taetigkeit, die mich nicht an ihn erinnert... kein wetter, bei dem ich mich nicht frage, warum er all dies freiwillig aufgab... kein tag, an dem ich mich nicht frage, wie er seinen eltern, mir, seinen freunden... so etwas... antun konnte....

92 tage... und jeder ist ein kampf...

ich sehe...
seine letzten sekunden... staendig... wie er springt... nach atem ringt...
seine leiche... blau... seit vier tagen... haengend, bevor er gefunden wurde...
ich werde die bilder nicht los.

es gibt phasen, in denen ich das gefuehl habe, es geht bergauf. ein tag, zwei tage, die ich an ihn denke und nicht weinen muss.
dann wieder... kommt die sintflut... verzweiflung... jedes mal ein bisschen mehr als zuvor...

ich warte... darauf, dass er sich meldet. staendig... wird mir aufs neue bewusst, dass er tot ist... fort... fuer immer...

gibt es ein leben nach dem tod? himmel? hoelle? geht es ihm dort, wo er ist, besser, als es ihm hier ging? ich hoffe es von ganzem -nein, von halbem, denn die eine haelfte ist tot- herzen... dass fuer ihn nun die sonne scheint...
aber glauben... kann ich es nicht...

eine kleine urne... in einem kleinen grab... auf einem kleinen friedhof...
das reicht nicht, um meine grosse liebe, meine unendliche trauer zu fassen...

ich wuenschte, ich koennte ein letztes mal mit ihm sprechen... ihm sagen, wie sehr ich ihn liebe... ihn vermisse... ihn noch einmal in den arm nehmen... ein letztes mal...

aber er ist fort. und ich bin hier... und ich vermisse ihn so fuerchterlich.

ich war so sauer zu anfang. wenn ich gekonnt haette, ich haette ihm den hintern versohlt. was faellt ihm ein?
mittlerweile... schmerzt es nur noch... wie gequaelt muss seine seele gewesen sein, diesen schritt als letzten ausweg zu sehen? ich habe immer an ihn geglaubt. ...habe immer an uns geglaubt... aber das hat wohl nicht fuer uns beide gereicht...

himmel. ich hoffe, es geht ihm gut...
vielleicht schreibt er mir ja irgendwann eine ansichtskarte... "schatz, es geht mir blendend. mach dir bitte keine sorgen."

ich werde mich dann jedenfalls darueber freuen...

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BeitragVerfasst: 08.05.2007, 16:22 
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Oh amalas,

es tut mir soo leid, was soll ich sagen? Wie kann ich dir helfen? Ich kann dir nur raten, geh zu einer Selbsthilfegruppe für trauernde Menschen, die gibt es garantiert auch bei Dir irgendwo in der Nähe.

Bei der Verzweiflung, die du momentan hast, ist alles so schrecklich anstrengend, man versteht nichts mehr, die Welt nicht, die Menschen nicht...ich kenne das!

Ich denke ganz doll an Dich!

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Wir gehen nicht unter in den Kämpfen, die wir verlieren, sondern in denen, die wir gar nicht erst antreten


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BeitragVerfasst: 08.05.2007, 16:46 
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amalas, selten haben mich Zeilen so sehr berührt.

Zitat:
ich war so sauer zu anfang. wenn ich gekonnt haette, ich haette ihm den hintern versohlt. was faellt ihm ein?


Genau das ist die richtige Reaktion, die viele andere verunsichert. Huch, wie kann man denn sauer sein auf den Verstorbenen? Ich weiss, dass Dein Sauer-Sein aus Liebe war, unter dem Motto: "Wie konntest Du mich nur verlassen?". Das ist Liebe und Zuneigung und Schmerz! Und ich kann es so nachfühlen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es Vorwürfe von allen Seiten geben wird nach einem freiwilligen Abschied aus dem Leben. Wappne Dich dagegen und lasse Dir nichts gefallen - aus Deinen Zeilen spricht soviel Liebe. Das ehrt Deinen Mann im nachhinein - das jemand solche Schmerzen hat, weil er nicht mehr da ist. Ein altmodischer Satz - ich habe ihn hier irgendwo schon mal gelesen, aber ich finde ihn toll: "Du gibst ihm die Ehre!"

Halt durch, lasse Dich nicht unterkriegen. Und wenn Du Hilfe brauchst, dann hole sie Dir! Sei egoistisch darin!

P.S.: Fand er die Antwort "42" auch so gut wie ich? Ich liiiebe dieses Buch.


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BeitragVerfasst: 09.05.2007, 07:47 
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Beiträge: 33
Liebe Amalas,

Zitat:
er wollte sterben. schon lange... darueber nachgedacht, geplant... ich habe es nicht ernst genommen...

Wenn sich ein Mensch das Leben nehmen möchte, gibt es nichts und niemanden, der es aufhalten kann. Es gibt keine Chance! Du hättest nichts, absolut nichts verhindern oder ändern können! Das weiss ich inzwischen aus meiner Trauergesprächsgruppe...Das Du dir da Vorwürfe machst, ist klar, aber es hat für Dich keine Chance gegeben, das zu verhindern!

Vielleicht kann Dir dieser Gedanke wenigstens ein kleines bisschen helfen und Dich beruhigen. Du schaffst das!


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 Betreff des Beitrags: Buster...oder warum
BeitragVerfasst: 09.05.2007, 08:06 
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Registriert: 03.05.2007, 17:47
Beiträge: 6
Wohnort: Ochtrup
Mein Gott,Amalas! So viel Leid! Ich bin erschüttert! Bitte suche dir professionelle Hilfe! Allein ist das nicht zu schaffen.Die praktischen Ärzte haben meistens eine Liste mit guten Psychologen. Du musst dich aber schnell dazu entschließen,denn die Wartelisten sind,wenn man Pech hat, lang.Aus meiner eigenen Erfahrung heraus, kann ich es nur empfehlen! Mein Psychologe hat mich immer wieder aufgefangen und mir sehr geholfen.
Ich weiß gar nicht, wie ich dich trösten könnte,ich könnte mit dir heulen...
Ich wünsche dir erst einmal viel Kraft
In Gedanken bei dir Annette


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 16.05.2007, 12:14 
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Beiträge: 4
ihr lieben,...

vielen dank fuer eure antworten.



Zitat:
Ich kann mir gut vorstellen, dass es Vorwürfe von allen Seiten geben wird nach einem freiwilligen Abschied aus dem Leben. Wappne Dich dagegen und lasse Dir nichts gefallen
es gibt vorwuerfe.
seitens der familie keine direkten, aber aus familiennahem umfeld ganz konkrete, unfreundliche anzankereien...
mir ist bewusst, dass ich nicht schuld an busters tod bin. insofern finde ich diese anfeindungen groesstenteils ausgesprochen laecherlich. aber es tut natuerlich trotzdem gewaltig weh.
und ich kann es auch nicht verstehen.
ich bin sauer auf seine eltern, ich bin enttaeuscht darueber, wie die dinge nach seinem tod gelaufen sind. ich bin traurig, dass mir vorwuerfe gemacht werden.
aber dennoch trauere ich mit jeder faser meines seins auch fuer seine eltern. dennoch haben sie mein volles mitgefuehl und beileid. sie haben ihren sohn verloren. was koennte einem menschen schlimmeres widerfahren, als sein kind zu verlieren?
wie tragisch, dass sie in einer solchen situation kontakt zu mir und zu busters freunden ablehnen... das kann ich nicht verstehen...

Zitat:
Wenn sich ein Mensch das Leben nehmen möchte, gibt es nichts und niemanden, der es aufhalten kann. Es gibt keine Chance! Du hättest nichts, absolut nichts verhindern oder ändern können! [...] Das Du dir da Vorwürfe machst, ist klar, aber es hat für Dich keine Chance gegeben, das zu verhindern!
Vielleicht kann Dir dieser Gedanke wenigstens ein kleines bisschen helfen und Dich beruhigen. Du schaffst das!
ich mache mir nicht wirklich vorwuerfe... mir ist klar, dass ich es nicht haette verhindern koennen... mein kopf weiss das... aber mein bauch... sagt, dass -wenn ich dieses oder jenes anders gemacht haette- ich es haette aendern koennen. schlimm daran ist nur, dass mich diese gedanken von der gegenwart fern halten.
ich gehe in gedanken staendig jeden moment, jede erinnerung durch und frage mich, wie ich -wenn ich die zeit zurueckdrehen koennte- mit dem wissen von heute in der damaligen situation reagiert haette... was ich anders gemacht haette...

ich fuehle mich noch nicht bereit, mich einer trauergruppe anzuschliessen oder mir psychische/psychologische betreuung zu suchen. ich habe einfach das gefuehl, ich muss noch trauern... ich moechte noch nicht loslassen... es ist noch zu frueh.

Zitat:
P.S.: Fand er die Antwort "42" auch so gut wie ich? Ich liiiebe dieses Buch.
ja. allerdings weniger aus dem anhalter-kontext. ich bezweifele, dass er das buch gelesen hat. den film hat er bestimmt gesehen.
er war computerspezi, linuxfredel, aus dem ccc-umfeld. "42" ist dort eine ebenso "gebraeuchliche" zahl wie "23", "1337" oder auch "6077".
fuer mich ist es ein symbol fuer die fehlende frage... ohne sinnvolle frage keine sinnvolle antwort... und welche frage sollte ich in dieser situation schon stellen? und wem? die antwort ist also eindeutig: 42.



ich wuenschte, es wuerde ein wenig bergauf gehen :/
...ich vermisse ihn noch immer so fuerchterlich...

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 Betreff des Beitrags: die zeit vergeht
BeitragVerfasst: 15.10.2009, 23:32 
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Registriert: 07.05.2007, 12:52
Beiträge: 4
...es ist.. manchmal...wirklich schwer zu glauben.

aber, doch!

die zeit vergeht.



ich vermisse buster noch immer genauso -oder fuehlt es sich anders an? ich weiss es nicht, der schmerz ist immer dabei-, wie vor zweieinhalb jahren.

es tut noch so weh!

ich sitze traenenverschmiert hier und frage mich wieder und wieder:
wieso?

nicht, "wieso gingst du?", nicht "was haette ich anders machen sollen?", sondern:
WIESO VERMISSE ICH DICH, GENAU DICH!!!- SO SEHR?

mein leben ist super. besser seit busters tod. alles ist fein. die familie waechst, alle kinder sind wohlauf.


warum muss es weiterhin so schmerzen?

warum du?
warum ich?

ich vermisse dich.

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