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 Betreff des Beitrags: Ein Jahr vorbei
BeitragVerfasst: 13.08.2007, 08:24 
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Am 21.06.2006 ist mein Mann an Krebs gestorben. Er hat 14 Monate lang gegen die Krankheit gekämpft, am Ende hat sie ihn doch besiegt.

Wir waren nicht einmal 2 Jahre Jahre verheiratet, hatten keine fünf Jahre zusammen. Und doch waren diese jahre die schönsten meines Lebens nach einer ersten Ehe ohne Liebe, die 25 jahre dauerte...

Andreas war die Liebe meines Lebens. Er war ein Geschenk an mein Leben. Durch ihn habe ich überhaupt erst begriffen, dass es die Liebe wirklich gibt. In meiner ersten Ehe kam ich zu der Erkenntnis, dass Liebe doch nur ein Märchen für Erwachsene ist...Und dann habe ich ihn kennengelernt. Wir sind innerhalb von vier Tagen zusammengekommen und zusammengezogen. 2005 im Januar haben wir geheiratet. Sechs Wochen später die Diagnose: Krebs...

Es ist nun über ein Jahr her, dass ich mich von ihm verabschieden musste. Ich bin umgezogen und habe meinen Alltag gemeistert.
Aber jetzt ziehe ich mich immer weiter auf mich selbst zurück. Weil ich Angst habe. Angst davor, mich unter all den anderen Menschen grenzenlos alleine und einsam zu fühlen. Und vor den Erinnerungen, die DANN kommen, an all die Sachen, die ich mit ihm nie wieder tun kann. Und DAS würde ich immer noch nicht verkraften...DAS ist die Erkenntnis, vor der ich Angst habe, dass ich dann nämlich mein Leben wirklich nicht mehr ertragen kann...

Für den Alltag habe ich akzeptiert und begriffen, dass er nicht mehr da ist. Aber nicht für die Unternehmungen, nicht für die besonderen Augenblicke, nicht für die schönen anderen Seiten des Lebens...

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Manchmal fühle ich mich wie ein Baum, von dem alle Blätter gefallen sind. Doch ich weiß um meine Kraft, neue Blätter zu treiben.


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BeitragVerfasst: 13.08.2007, 10:44 
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Hallo Junimond,

ich kann so sehr nachempfinden, wie es Dir geht. Da hast Du endlich die Liebe Deines Lebens gefunden und dann musst Du ihn so schnell schon wieder "abgeben" - ist ein blödes Wort, ich weiß, aber ich finde kein besseres...

Das was Du schreibst, klingt für mich ganz nach der so "berühmten" dritten Phase der Trauer:

Zitat:
Anschließend - in der dritten Trauerphase - erlebt man oft einen Rückzug des Trauernden auf sich selbst. Sicherlich ist dies eine sehr anstrengende Phase der Trauer, in der Freunde und Angehörige besonders gefordert sind. Der Trauernde stirbt einen symbolischen Tod (apathisches Verhalten, das eigene Ich ist in seiner ganzen inneren Organisation betroffen).


Das ist die harte Seite unseres Lebens, die wir jemanden verloren haben: der erste Schritt ist geschafft. Das bloße Weiteratmen, weiterfunktionieren, weiterleben - aber alles, was darüber hinaus geht, was uns vielleicht sogar "Spaß" machen könnte, ist noch ein Schrecken, vor dem wir uns am liebsten zurückziehen möchten...

Du glaubst, das würdest Du nicht verkraften - hast Du jemals geglaubt, Du würdest das verkraften, was Du bisher erlebt, gemeistert hast? Sicherlich nicht. Und so wird es auch in der kommenden Zeit sein: Du WIRST es verkraften, alleine deshalb, weil Dir gar nichts anderes übrig bleibt. Das hört sich hart an, das ist auch hart. Mir geht es genauso, und da müssen wir durch.

Ich denke an Dich!


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BeitragVerfasst: 13.08.2007, 11:09 
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Danke Dir für Deine Antwort. Weiterfunktionieren, weitermachen...Das klappt schon. Aber meine Neugier aufs Leben ist weg. Schlimmeres als mir passiert ist, kann nicht mehr kommen und dass es besseres nochmal geben kann, glaube ich nicht. Wer kriegt im Leben schon zweimal die große Liebe, wenn viele sie nicht ein einziges Mal erleben...
Ich lebe weiter, weil kneifen nicht gilt... :wink:
Nach der "langen" Zeit seit dem Tod meines Mannes steh ich auch alleine da mit meiner Trauer. Einzig mit meinen Kindern könnte ich noch darüber reden. Aber meine Tochter hat im November ein Kind geboren und hat ganz andere Sorgen. Und mein Sohn lebt nicht mehr hier und hat genug zu tun, sein Leben auf die Reihe zu bringen...
Andere, Freunde zum Beispiel, wollen mich zur Therapie schicken, weil "es doch nicht normal ist", was ich grade empfinde...Dabei fehlen mir gerade JETZT die Gespräche so sehr...
Die ersten dummen Sprüche kamen ja schon etwa drei Monate nach seinem Tod: Ich müsste doch nun langsam "drüber weg" sein...

Ich denk auch an Dich! Danke für Deine Worte.

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BeitragVerfasst: 13.08.2007, 19:24 
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Beiträge: 33
Ach Junimond, man glaubt es fast nicht mehr, dass es noch immer solche Menschen gibt, die solche Sätze sagen wie "Nun aber ist es doch gut..." - ich habe auch keinerlei Ausreden mehr für solche Menschen. Sie wollen einfach nicht mehr mit dem Thema konfrontiert werden und verkaufen ihr "Halt-die-Klappe" mit dem Label "Gut gemeinter Ratschlag".

Nee, danke, die sollen ihre Klappe halten.

Sorry, aber das regt mich echt auf :!: :!: :!:

Junimond, es klingt hart, aber es ist so - jedenfalls für mich: Wenn ich mit meinen Freunden nicht reden kann - dann sind sie keine Freunde, ganz einfach. Da braucht man auch nicht groß rumzudiskutieren.

Ich persönlich habe mir Leidensgenossen gesucht, mit denen ich reden kann, die mich verstehen, weil sie selbst in so einer Situation steckten oder noch stecken (Feststecken - eigentlich das richtige Wort, oder?) - da gibt es genügend Trauergesprächskreise. vielleicht ist das ja eine Idee für Dich.

Ach Junimond, Du schaffst es, wir alle schaffen es. Irgendwie.


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BeitragVerfasst: 14.08.2007, 08:41 
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Hallo Melanie,

weißt Du, ich habe gelernt in dem Jahr, dass Freunde, auch die besten, irgendwann überfordert sind. Für sie geht das Leben doch normal weiter. Nur für uns ist nichts mehr normal. WIR müssen uns im Alltag vollkommen neu orientieren. Das geht mal leichter und mal schwerer. Im Alltag sollen wir möglichst bald wieder "funktionieren".
Es geht mir nicht schlecht, aber ich bin müde und gleichgültig im Moment. Der ganz normale Alltag strengt mich unheimlich an.
Die Antwort, dass ich nun wohl in der dritten Phase der Trauerarbeit wäre, dem Rückzug auf mich selbst, hat mir so gut getan.

Es ist nämlich nicht so toll, wenn mir von meiner Umwelt das Gefühl vermittelt wird, nicht "normal" zu sein. Ich will nicht mit Medikamenten wieder "funktionsfähig" gemacht werden. Ich will überhaupt nicht funktionieren müssen. Ich will, dass einfach akzeptiert wird, wie ich mich im Moment fühle. Ich möchte, dass mir mal jemand sagt, ich kann mir vorstellen, wie Sch... Du Dich fühlst. Und dass das normal ist. Und dass ich mich so fühlen darf, ohne mich gleich zu einem therapeutischen "Fall" zu machen. Nur das. Ist das denn zuviel verlangt?

Liebe Grüße
Sabine

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BeitragVerfasst: 14.08.2007, 08:59 
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Hallo

Nein es ist mit Sicherheit nicht zuviel verlangt, ich sehs doch auch hier alle kapseln sich ab, von anderen bekommt man gesagt wir wissen nicht mit umzugehen.
Ich denk am besten ist es mit einem voll normal umzugehen, weil was bringts einem wenn einer laufend sagt ach du armes Hascherl.
Ich für meinen Teil kanns auch im moment gar nicht gebrauchen.
Meine Freundin ist da auch ihre Eltern mein Mann und die Kids das reicht erst mal.
Aber verkriech dich nicht sondern schau mal aus dem Fenster es gibt so viel schönes. Gönn dir auf jeden fall das was du brauchst!!
Liebe Grüße Sabine


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BeitragVerfasst: 14.08.2007, 09:06 
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Wow, was ist denn hier los? Auf einmal tummeln sichalle gleichzeitig!

Zitat:
Ich denk am besten ist es mit einem voll normal umzugehen, weil was bringts einem wenn einer laufend sagt ach du armes Hascherl.


Das finde ich auch, wenn andere mit uns normal umgehen, ist es ja schon fast mehr, als wir erwarten können, denn Melanie: die Freunde sind einfach überfordert, wie Junimond schon sagt. Sie haben es nicht gelernt, niemand hat ihnen erklärt, wie es uns geht.

Und auf der anderen Seite denke ich aber: Herrgott, und wenn schon. Sie sollen mir ja nicht mein Leid nehmen, sondern nur DA SEIN, wenn ich Hilfe brauche. Ich weiß auch, dass ich schwer auszuhalten bin in meiner Trauer, aber das ist nun mal so, und Freunde sollten das doch auch tragen können. Oder bin ich da zu anspruchsvoll? Ich weiß manchmal auch nicht.


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BeitragVerfasst: 15.08.2007, 07:33 
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Hallo Christa D.,
Zitat:
Sie haben es nicht gelernt, niemand hat ihnen erklärt, wie es uns geht.


Das kann man auch niemandem erklären. Schauen wir doch uns selbst an: Hätten wir uns vorher vorstellen können, wie sehr Trauer auch körperlich schmerzt? Wie es einen zerreißen kann? Wie lange es dauert, bis man wenigstens wieder einigermaßen im Alltag zurecht kommt? Ich jedenfalls konnte es nicht.

Heute geht es mir wieder besser. Dabei habe ich nichts verändert. So langsam sollte ich mich an diese Wellen doch gewöhnt haben. Aber ich glaube, sie treffen mich immer wieder unerwartet und ich fühle mich, als sei es nicht ein Jahr her, sondern erst ein paar Wochen...
Durch die lange Krankheit meines Mannes war die Unbeschwertheit schon seit fast drei Jahren weg. Ich weiß schon nicht mehr, wie es ist, unbeschwert einfach nur zu leben, zu lachen.
Ob das überhaupt jemals wieder möglich sein wird?

Liebe Grüße
Sabine

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BeitragVerfasst: 16.08.2007, 07:38 
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hallo Junimond, und ob es wieder möglich sein wird, unbeschwert zu leben - aber sooo unbeschwert wie früher, als wir diese Erfahrung noch nicht gemacht hatten, wird es wohl nicht. So ist das. Das Leben hinterlässt Spuren an und in uns allen, bei manchen sind es wohl eher Narben...

Und trotzdem: Narben sind zwar nicht schön, aber man kann mit ihnen leben.

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Denn ich schulde meinen Träumen noch das Leben


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BeitragVerfasst: 16.08.2007, 07:56 
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hallo Bettwurst, stimmt, auch mit Narben kann man leben...Allerdings kann ich mir noch nicht vorstellen, wieder unbeschwert zu leben. Nicht, weil ich es nicht wollte, sondern weil es nicht geht.

Ich fühle mich, als ob ein wesentlicher Teil von mir gestorben ist. Und nun kann nichts mehr werden, wie es einmal war, nicht mal im Ansatz...

Klar kann man damit leben. Nur wie, das ist die Frage...

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BeitragVerfasst: 16.08.2007, 09:11 
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Zitat:
Ich lebe weiter, weil kneifen nicht gilt... Wink


Hallo Junimond, da bin ich froh, dass ich den Satz von Dir oben gefunden habe. Natürlich hast Du jetzt keine Vorstellung davon, dass es jemals wieder auch nur halbwegs angenehm zu leben sein könnte. Ganz klar. Ist auch so. Ich weiß auch nicht, ob es jemals SCHÖN wird, das Leben. Aber eines habe ich bei mir gemerkt: es ist (etwas) besser geworden.

Ich weiß wie Du Dich fühlst, ehrlich. Halt den Kopf oben, ich denk' an Dich!

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BeitragVerfasst: 25.08.2007, 09:22 
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Hallo Bettwurst,

es ist nicht das angenehm leben, was ich mir nicht vorstellen kann. Ich finde mein Leben jetzt sogar ziemlich angenehm und mache es mir auch schön. Aber meine Neugier aufs Leben ist weg. Hab ich ja schon weiter unten geschrieben. Wenn ich so eine depressive Phase habe, gehts mir wirklich schlecht, aber normalerweise kann ich mein Leben jetzt sogar zeitweise genießen.

Nur die Frage, was der nächste Tag wohl bringen wird, freuen auf ein Ereignis oder sowas interessiert mich nicht mehr. Der Tag kommt, ich verbringe ihn so angenehm wie möglich und dann vergeht er wieder. Ich plane nichts mehr, ich tue, was der Augenblick gerade erfordert oder wonach mir gerade ist und das wars.
Der Alltag hat kleine Freuden, kleine Dinge, die mich in dem Moment ablenken. Keine Ziele, für die es sich lohnt zu arbeiten und zu leben. Ich finde mich nicht mehr wirklich zurecht. Die Zukunft interessiert mich nicht mehr.
DAS ist doch eigentlich kein Leben, wie ich es mir immer vorgestellt habe...

Liebe Grüße
Sabine

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BeitragVerfasst: 01.09.2007, 16:11 
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Hallo Sabine,

es tut mir so Leid, was du erleben musstest. Nach langer Zeit endlich Glück, und dann wird es einem so schnell genommen.

Das klingt jetzt vielleicht naiv, aber es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen von Krebs betroffen sind. Natürlich ist man sich dessen irgendwie schon bewusst, aber man denkt doch nicht, dass es so plötzlich und unvermittelt aus dem Nichts kommt und alles verändert. Vielleicht will man über solche Sachen auch nicht so viel nachdenken. In unserer Straße war fast jede Familie betroffen, oft bei Menschen in mittleren Jahren oder sehr jungen Leuten, bei denen es eben überraschend kam. Ich meine damit nicht, dass es das irgendwie leichter macht. Dem ist nicht so. Aber ich glaube, dass es, wie man hier sieht, viele andere Menschen gibt, denen es ähnlich geht, die dich vielleicht auch eher verstehen und dir die Einsamkeit ein wenig nehmen können. Es ist schwer, auf andere zuzugehen und man ist vielleicht auch enttäuscht, weil man sich alleine gelassen fühlt - aber je mehr man sich zurück zieht, desto schwerer wird es. Ich glaube schon, dass es hilft, in der richtigen Gesellschaft zu sein, auch wenn es häufiger vorkommt, dass man sich unter Freunden trotzdem einsam fühlt. Aber je mehr man alleine ist, desto mehr denkt man auch nach. Deshalb hoffe ich, dass es doch Menschen gibt, die auf dich zugehen.

Das mit dem Gefühl bei besonderen Gelegenheiten kenne ich. Ich bin diesen Sommer mit meiner Familie und dem Chor nach Irland gefahren -ein Urlaub, bei dem eigentlich mein Vater dabei sein sollte- und es war unendlich schwer. Als wir zurück fuhren, dachte ich auch für einen Moment, dass ich ihm dies und jenes gerne erzählen würde (teils auch erzählen werde, für einen Moment), wie schön es wäre, jetzt wie die anderen von jemandem abgeholt zu werden...
Solche Dinge werden glaube ich immer schwer sein. Aber man erträgt sie doch und macht neue Erfahrungen. Man verkraftet es, schlicht und einfach, weil man es muss.

An Trauerphasen und die ganzen netten psychologischen Modelle glaube ich zwar nicht (trotz Psychologiestudium), aber von dem, was du hier erzählt hast her, bist du sehr stark. Du meisterst, wie du sagst, deinen Alltag, bist umgezogen, bist so weit gekommen...und von jetzt an wird es nicht mehr schwerer. Ob es wirklich leichter wird, kann dir hier auch keiner versprechen, aber du hast es auf jeden Fall so weit geschafft, und ich hoffe von ganzem Herzen, dass es für dich auch wieder mehr geben wird, als "nur" zu funktionieren.

LG,

Mia


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BeitragVerfasst: 01.09.2007, 19:09 
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Hallo Mia,

Zitat:
An Trauerphasen und die ganzen netten psychologischen Modelle glaube ich zwar nicht (trotz Psychologiestudium),...


doch, es gibt sie, diese Trauerphasen. Und auch das Modell, dass man zwischen den Phasen willkürlich wechselt, stimmt. Die Schockphase dauerte bei mir über vier Wochen. Inzwischen wechselt es immer wieder zwischen dem "wieder ins Leben gehen" und Rückzug auf mich selbst. Je nachdem, wie ich mich grade fühle. Und ich lasse das so geschehen, zwinge mich zu nichts.

Das Schlimme ist, dass durch meinen Verlust scheinbar bei mir eine Depression ausgelöst wurde, die ich immer wieder durch Medikamente zurückdrängen muss. Ich mag die nicht auf Dauer nehmen, deshalb nehme ich sie nur, wenn der Zustand länger als eine Woche anhält...

Wenn ich so zurückschaue auf das letzte Jahr, dann sehe ich schon, dass es mir mal besser und dann wieder schlechter ging. Und ich sehe auch die ganz kleinen Schritte aufwärts. Das Schlimmste habe ich wohl hinter mir. Nun muss ich mich darin einrichten, dass nichts mehr ist, wie es war und auch nie wieder so werden KANN!

Ich danke Dir für Deine Wünsche und hoffe auch für Dich, dass es Dir nach und nach besser geht und Du wieder Kraft für Dich selbst findest.

LG
Sabine

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BeitragVerfasst: 02.09.2007, 14:44 
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Ja, es gibt verschiedene Zustände, ob man sie nun Phasen nennt oder nicht. Das bestreite ich auch gar nicht. Nur denke ich nicht, dass es so "ordentlich" ist, wie das Modell das darstellt, also eine nach der anderen, ein paar Wechsel, und dann findet man sich damit ab. Es ist schließlich auch nur ein Modell, und während die meisten Modelle einen wahren Kern haben, ist es doch immer anders, wenn man es selbst erlebt, einfach, weil jeder Mensch anders ist. Auf jeden Fall glaube ich aber, dass das, was du fühlst, völlig normal ist, und wenn dir dieses Bewusstsein hilft, finde ich es gut, dass du dich an dem Modell orientierst.

Medikamente helfen nicht wirklich, nicht über längere Zeit hinweg. Sie unterdrücken nur immer wieder die Symptome, wenn sie überhaupt wirken (was bei mir nicht der Fall war). Aber wenn es dir gerade besonders schlecht geht, können sie natürlich eine Erleichterung sein.

Das wichtigste ist aber wohl, dass du selbst sagst, es geht bei dir aufwärts, wenn auch in kleinen Schritten und mit Rückschlägen. So wie du es geschildert hast, bin ich ehrlich beeindruckt, wie du mit der Situation umgehst.


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