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 Betreff des Beitrags: ...kann ich noch irgendetwas machen???
BeitragVerfasst: 07.04.2008, 18:01 
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ich bin neu hier und habe ein riesiges problem, mit dem ich nicht klar komme, vielleicht kann irgendjemand irgendwas dazu sagen, weil ich kann einfach nicht mehr und weiß nicht mehr weiter.
am 5. januar verstarb die mutter meines freundes nach 7 monatigem krebsleiden. die 7 monate waren schon sehr schlimm, vor allem auch für unsere beziehung, denn er zog sich immer mehr zurück, ich kam einfach kein stück mehr an ihn ran, er dröhnte sich zu und es ging einfach kaum noch irgendetwas, wir wohnen nicht zusammen und der kontakt wurde immer spärlicher. aber ich wollte ihn auch nicht bedrängen und gestand ihm das zu, glücklich war ich damit natürlich nicht.
mit dem tag an dem die mutter starb - ich schlief die nacht bei ihm und morgens kam die nachricht per telefon - kam eine erneute 180â??drehung, die mir bis heute den verstand raubt und mich extremst belastet und die ich nicht verstehe. ich meine, ich habe viel im internet gelesen und recherchiert, mich mit dem thema befasst und ihm vor dem tod der mutter bücher geschenkt, damit er sich auch mit dem thema beschäftigt, denn ich hatte das gefühl, er verdrängt es total und wenn sie stirbt, dann geht gar nichts mehr....er war auch dankbar dafür und las ein buch, danach meinte er, er hätte keine angst mehr vor ihrem tod, das buch hat ihm sehr gut geholfen, aber so richtig kaufte ich ihm das nicht ab....
ich finde keine worte, wie ich das alles beschreiben soll, wie beschreibt man gefühltes?
ok neuer anlauf, ich versuchte an ihn ranzukommen nach dem tod der mutter, keine chance, er ging nicht ans telefon gar nichts (wir sind seid 3 jahren zusammen). ich machte mir riesige sorgen und da ich einen schlüssel zu seiner wohnung habe, fuhr ich zu ihm und fand ihn zugedröhnt im Bett. Er wollte mich nicht dahaben, wollte mich nicht sehen, ich war wie eine nervige fremde für ihn seit diesem tag.
dann wieder wochenlang keinen kontakt, nach 5 wochen rief er an und meinte die bauteile wären fertig (er baute seit vielen monaten etwas für meine wohnung) und es wäre gut, dass wir uns getrennt haben, ihm ginge es jetzt viel besser, er fühle sich frei, ich konnte es nicht fassen....es gab nie eine offizielle trennung, was bedeuten diese worte, was bedeutet das alles, was er die ganzen monate macht? ich fühle mich so hilflos, ich komme kein einziges winziges kleines stück an ihn ran, er tut so??? als wäre sein leben jetzt toll, er hat extrem viel verändert, macht auf einmal sport, ernähert sich gesund, tut dinge die er noch nie gemacht und immer abgelehnt hat....als er kurz bei mir war, um bauteilen zu mir zu bringen, ich kann es nicht beschreiben, ich brach innerlich und äußerlich zusammen, versuchte tapfer zu sein, aber es fiel mir extrem schwer.
die person, die du liebst ist seit monaten wie ausgewechselt, sie erkennt dich nicht mehr und ich habe fast das gefühl, er hat angst vor mir, angst vor jeder körperlichen berührung und sei es nur, dass wir aneinander vorbeigehen und unsere ärmel streifen sich, selbst da weicht er zurück. ich habe ihm geschrieben, ich bin für ihn da, er kann sich jederzeit melden, wenn er reden möchte, wenn er jemanden zum lachen oder weinen braucht, mehr kann ich ja nicht tun oder doch? ich will ihn ja auch nicht nerven oder bedrängen, das gefühl gibt er mir aber und das tut unendlich weh.
der kontakt ist weiter abgebrochen, ich gehe davon aus, dass unsere beziehung tot ist und ich kann mich unter den umständen nicht damit abfinden. ich bin auch seit beginn der meinung, dass es halt irgendeine art umgang mit dem tod der mutter ist, deshalb habe ich mich auch entschlossen, dass alles hier mal aufzuschreiben und meinungen einzuholen....aber ich zweifle auch jeden tag wieder daran, ich komme aus dem heulen nicht mehr raus, bin extrem depressiv und habe schon überlegt mir psychologische hilfe zu holen, weil ich nicht mehr klar komme. ich kann diese situation einfach nicht für mich klar kriegen.
ich meine er war schon immer ein "wegrenner vor gefühlsdingen und schwierigen situationen", aber seit anfang januar gehts kein stück mehr vor oder zurück...die mauer um ihn ist so unendlich dick und hoch und ich habe das gefühl, dass das aber nur mich betrifft, denn bei den seltenen telefonaten (wenn er mich mal anruft um mir zu sagen, was er für geld für dieses und jenes bauteil bekommt, das ist alle 4 wochen mal ganz kurz) kriege ich auch einen kleinen einblick, was er auf einmal alles so macht, wohin er mit wem weggeht und man hat das gefühl, das leben ist auf einmal extrem umgekrempelt und schön, seit er mich los ist....so kommt es jedenfalls rüber und das tut sehr sehr weh, vor allem, wenn man überhaupt nicht weiss warum und was man falsch gemacht haben soll!!!
wenn er anruft, habe ich herzrasen und breche in tränen aus, ich kann nicht mehr denken oder bekomme kein vernünftiges wort raus, frage ihn wie es ihm geht und bekomme antworten wie "du, ich wollte nur schnell anrufen und dir wegen dem stand der dinge bescheid sagen, das wird sonst zu teuer, ok tschau dann ja?".
ich habe alpträume, wache schreiend und heulend in der nacht auf, kann nicht mehr schlafen und komme mit all dem nicht klar.
ich meine, ich heule hier rum und ER hat den trauerfall, aber ich habe das gefühl, das ich diejenige bin, die die trauer von ihm austrägt, weil ich es bin, die den ganzen tag heult, weil ich nicht weiter weiß und es keine antworten auf die vielen WARUM-fragen zu geben scheint. er ist der einzige, der irgendwas beantworten könnte, der mir die dinge vielleicht ansatzweise nachvollziehbar oder verständlich machen könnte, stattdessen hänge ich seit monaten im luftleeren raum und habe das gefühl zu ersticken.
ich habe es auch aufgegeben, ihn mit telefonanrufen, sms oder mails zu kontaktieren, weil er sowieso nicht antwortet. es gibt keine möglichkeit an ihn ranzukommen.

Noch kurz was zu ihm und seinem background:
er ist 27, hat auch keinen vater mehr (ist als er zwei war bei einem unfall gestorben), sein stiefvater ist an krebs gestorben, nun ist nur noch der zweite lebensgefährte der mutter da, zu dem er auch kontakt pflegt und sich gut mit ihm versteht. das leben hat ihm übel mitgespielt, was das angeht und als die nachricht über den tod der mutter kam, weinte er so schlimm und so laut, dass ich wie eingefrohren daneben stand und mich nicht rühren oder auch nur irgendwas sagen konnte. er weinte und schluchzte, dass er nun allein auf der welt und ein waise wäre. und ich habe das gefühl, das hat alles auch irgendwas mit mir zu tun, ich meine er hat alle nahestehenden verloren (die eltern als wichtigste personen im leben), vielleicht will er so vermeiden mich irgendwann auch noch zu verlieren? ist nur eine unbelegte hypothese von mir, ich zermartere mir den kopf über alles und drehe mich im kreis, habe so viele gedanken dazu und komme doch nicht weiter.
ich habe die hoffnung auch eigentlich schon aufgegeben, dass wir je wieder zueinander finden werden, wenn ich nur irgendeine antwort hätte, aber nichts ist schlimmer als ungewissheit und in der schwebe ich seit monaten, mein freund behandelt mich wie luft und scheint mit dem rest der welt gut gestellt und gut freund zu sein und ich verstehe nichts mehr, was sich gerade abspielt und bin extremst verletzt und traurig. aber wie gesagt, meine these vielleicht überträgt er da etwas auf mich?
vielleicht ist das aber auch nur eine form, mir die dinge schön zu reden und den funken hoffnung noch am leben zu lassen, dass alles wieder gut wird und das wird es aber nicht mehr. ich schwanke jeden tag zwischen hoffnung und dem versuch, mich damit abzufinden, dass es das jetzt für immer war. ich weiss nicht, wo ich mich positionieren soll und wo ich ansetzen soll um mein leben wieder in eine geordnete bahn zu manövrieren. ich weiss nicht, was wirklich hinter seinem verhalten steckt, denn irgendwie kann ich ihm das alles auch nicht ganz abnehmen, weil er immer gesagt hat, dass ich ihm nach seiner mutter die wichtigste person in seinem leben bin und das meinte er auch so, das weiss ich und das fühlte ich und jetzt das, wie passt das alles zusammen?
was macht man in meinem fall? gibt es eine "erklärung", die mir weiter helfen kann? hat jemand ähnliche erfahrungen gemacht?

sorry, sollte gar nicht so viel werden...


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BeitragVerfasst: 24.06.2008, 12:01 
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Hallo, dass Du mit dieser Situation überfordert bist, ist ja nur logisch. Das ist alles so schwer und hier die richtigen Worte zu finden, ist sehr schwierig...Allgemein lässt sich nur eines sagen: lasst Euch ZEIT, damit fertig zu werden. Die Gefühle nehmen momentan einfach überhand und man kann nicht richtig klaren Kopf fassen. Strengt Euch nicht an, sondern lasst "es" zu.

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Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.


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BeitragVerfasst: 29.06.2008, 13:30 
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Das ist eine unheimlich schwierige Situation, für ihn aber auch für dich, und du hast auf jeden Fall dein bestes getan, um ihm zu helfen. Dass es so ist, wie es jetzt ist, hat denke ich nichts mit deinem Verhalten zu tun.

Mag sein, dass er Verlustängste hat, mag sein, dass er dich einfach automatisch mit dieser schwierigen Zeit verbindet und Angst vor den Erinnerungen hat - in jedem Fall ist es sein Ausweichverhalten. Ihm ist viel schlimmes passiert, was nahestehende Menschen angeht. Vielleicht kann er nur durch Verdängung damit umgehen. Möglicherweise braucht er das, um einfach zu funktionieren (denn im "funktionieren" ist er ja anscheinend gut). Da ist dann natürlich die Nähe zu dir schwierig, da du weißt, was geschehen ist und ihm anbietest, dass er mit dir darüber reden kann (was ja auch gut ist!), für ihn trauerst.

Wenn er die Gefühle nicht zulassen kann (noch nicht?), dann kannst du schwer etwas daran ändern. Du kannst ihm natürlich immer wieder anbieten, für ihn da zu sein, aber wenn er nicht will, will er nicht. Für ihn wäre es aber wichtig, dass auch noch jemand für ihn da ist, wenn es ihn vielleicht viele Monate später überfällt. Es tut dir natürlich weh, dass er dich so wegstößt, aber das heißt nicht notwendigerweise, dass er dich nicht liebt. Besonders diese Angst vor Berührungen und das Vermeiden längerer Gespräche sprechen dafür, dass er wirklich eher vor den Erinnerungen davon läuft.

So schlimm das auch ist, es bleibt denke ich nur das Warten und die Akzeptanz dessen, wie er jetzt ist. Verschiedene Menschen gehen unterschiedlich mit Verlusten um.

Was aber auch wichtig ist, ist, dass du dich um dich selbst kümmerst. Für dich war das ja auch alles unheimlich schwer. Hast du Freunde oder Familie, die für dich da sind? Wenn du mit der Situation lange nicht klarkommst und sich auch nichts ändert, wäre psychologische Hilfe vielleicht doch nicht so schlecht. Die Entscheidung liegt bei dir.


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BeitragVerfasst: 22.05.2009, 09:39 
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Hallo Mia, habt Ihr es geschafft? Habt Ihr die Trauer in den Griff gekriegt? Ich weiß, Trauer kann man nie überwinden, irgendwie bleibt da immer eine große Traurigkeit, wenn man einen Menschen verloren hat, aber man kann lernen, damit umzugehen. Habt Ihr das geschafft?

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Denn ich schulde meinen Träumen noch das Leben


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BeitragVerfasst: 22.05.2009, 13:02 
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Hallo Bettwurst,

heute, mehr als zwei Jahre spaeter, kann ich diese Frage eindeutig mit ja beantworten. Natürlich wird es nie mehr so sein, wie es vorher war, aber zumindest für mich und ich glaube auch für meine Mutter und meine Schwester kann ich sagen, dass wir eine neue Normalität gefunden haben. Alles hat sich sehr verändert, aber wir kommen gut zurecht. Die ersten Monate waren wirklich schwer, aber nach den ersten ein bis eineinhalb Jahren war es für mich ziemlich 'abgeschlossen'. Das ist natürlich nicht für jeden so. Für mich selbst weiß ich nur, dass es eher ein Teil meiner Lebensgeschichte geworden ist, als das eine, immer präsente, gegenwärtige Erlebnis (zumindest meistens). Anders kann ich es nicht erklären.

Ich wünsche anderen sehr, dass es für sie auch mit der Zeit leichter wird. Aber ich weiß auch, dass man das besonders am Anfang vielleicht gar nicht hören will. Jeder hat ein Recht auf seine Trauer, so lange wie er/sie dafür braucht, und in welcher Form auch immer sie sich äußert.

Und wie geht es euch?


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BeitragVerfasst: 18.08.2009, 09:29 
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Hi Mia,

bei mir ist alles in Ordnung. Das Leben ist okay. es geht weiter. Aber es ist schon komisch, insgesamt gesehen...

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